Die Systemische Psychotherapie macht sich dieses Wissen zunutze: Im Gespräch erfahren Sie Hintergründe und Zusammenhänge Ihres Handelns, verschüttete Erinnerungen werden gehoben, Erlebnisse entschlüsselt. Gemeinsam mit dem Therapeuten identifizieren Sie förderliche und hinderliche Bedingungen Ihres Lebensumfeldes, geben ihnen Namen und Gesicht. Selbst einschüchternde oder lähmende Strukturen wie ein zu hoher Leistungsanspruch oder innere Leere verlieren an Kraft, sobald man mit ihnen spricht und sie ermutigt, ihre wahren Bedürfnisse zu äußern. Das können Sehnsüchte nach Anerkennung und Wärme, Partnerschaft und aufregender Sexualität sein, ein unerfüllter Kinderwunsch, die Trauer um einen verstorbenen Angehörigen oder Freund. Erst wenn Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, können Sie dem zuvor namenlos Beängstigendem neu begegnen und sich mit ihm auseinandersetzen.

Je nachdem, welche Bedürfnisse zu Tage treten, fordern wir Sie auf kleine Aufgaben zu erledigen: eine Stunde lang nichts tun, einen fremden Menschen ansprechen, verbotene Gedanken zulassen. Es sind die kleinen Veränderungen, die Ihr Netz aus Gedanken, Gefühlen und Beziehungen in ein bekömmliches Miteinander bringen. So verändern schon kleinste Schritte Ihren persönlichen Kosmos - und Sie werden überrascht sein, wie viel Freude Ihnen das machen wird und mit wie viel Stolz Sie Ihr eigenes Handeln erfüllt.

Manchmal fühlt man sich in seiner Welt gefangen

Systemtheorie als Grundlage

Wo immer Menschen miteinander leben und kommunizieren, entwickeln sich Regeln und Verhaltensmaximen, die das Zusammenleben bestimmen. Dabei hängt es von zahlreichen Bedingungen ab, wie genau die Grenzen für das eigene Handeln im System gezogen werden. Mitunter ist der Rahmen weit gesteckt, und die Zahl der Handlungsmöglichkeiten und Freiräume groß. In einem solchen Rahmen kann Individualität und Autonomie erhalten bleiben, ohne das System zu destabilisieren. In anderen Systemen werden die Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen dagegen sehr eingeschränkt, die Grenzen sind sehr eng gezogen. Für eigene und selbstregulative Aktivitäten bleibt dann wenig Platz. Und häufig kommt es dann wegen der Enge zu psychischen oder somatischen Symptomen und Beschwerden.

Daneben vermitteln Systeme auch einen festen Rahmen, in dem man sich sicher und geborgen bewegen kann in dem Wissen, den Anforderungen gerecht zu werden und den Schutz des Systems zu genießen.

Die Orientierung in einem dergestalt komplexen System aus eigenen Wünschen und Bedürfnissen, den Ansprüchen der anderen Mitglieder und den bewussten oder unbewussten Regeln fällt oft schon schwer. Wird zusätzlich berücksichtigt, dass sich die einzelnen Anteile ständig untereinander beeinflussen und damit auch die Bedingungen und Regeln des Systems beständig verändern, ist nachvollziehbar klar, dass Übersicht und selbstbestimmtes Handeln auf der Strecke bleiben können.

Die systemische Psychotherapie hilft, Strukturen, Ansprüche und Regeln eines Systems zu identifizieren und über Dialog und Aktion zu verändern.